Am heutigen Tage (16.05.2007) findet ab 18:00 Uhr im Palais des Frankfurter Zoos eine Podiumsdiskussion zum Thema Mindestlohn statt. Titel der Veranstaltung: Niedriglohnsektor - Wege aus der Langzeitarbeitslosigkeit. Warum diese Veranstaltung hier Erwähnung findet, ist ein bedauerlicher Umstand: Die Frankfurter Rundschau in ihrer ursprünglich linksliberalen Ausrichtung ist Geschichte. Im Juni 2006 war es zunächst nur ein Gerücht, dass der Zeitungsverlag DuMont Schauberg mehr als 50% der Anteile an der Frankfurter Rundschau erwerben wolle, im Juli 2006 war es bereits bittere Realität. Der Verlag DuMont Schauberg ist nun wirklich nicht dafür bekannt, dass er eine linksliberale oder gar linke Agenda verfolgt. Die Berichterstattung der DuMont-Blätter Kölner- Stadtanzeiger und des Boulevard-Klons EXPRESS könnte man am ehesten noch als CDU-nah bezeichnen.
Zurück zu der oben erwähnten Veranstaltung. Halten Sie sich dabei vor Augen, dass die linksliberale Ausrichtung der Frankfurter Rundschau mit jedem weiteren Tag Anteilsmehrheit von DuMont schrittweise Geschichte wurde und weiterhin wird. Da erstaunt es dann auch nicht, wenn man lesen darf, wer die Posdiumsdiskussion zum Thema Mindestlohn veranstaltet:
- Frankfurter Rundschau (FR)
- Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
- Vereinigung hessischer Unternehmensverbände (VhU)
Eine solche Konstellation hätte es vor dem Einstieg von DuMont Schauberg bei der Frankfurter Rundschau sicherlich nicht gegeben. Man hätte vielleicht bestenfalls Gäste aus den Reihen der INSM eingeladen, um sie als neoliberale Plapperer zu kritisieren, aber nicht gleich eine Veranstaltung zusammen mit der INSM durchgeführt. Noch besser wird es, wenn man sich die Teilnehmerliste der Podiumsdiskussion anschaut:
- Franz Müntefering, Bundesminister für Arbeit und Soziales
- Roland Koch, Ministerpräsident des Landes Hessen
- Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen
- Prof. Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmensverbände e.V.
Es ist deutlich erkennbar, dass diese Podiumsdiskussion unausgewogen verlaufen wird. Denn Franz Müntefering hat sich nach dem Abtritt Gerhard Schröders zu dessen würdigem Nachfolger hinsichtlich der sozialen Kaltschnäuzigkeit eines Emporkömmlings entwickelt. Immerhin hat man es noch geschafft ein Feigenblatt vom DGB eingeladen, aber Ausgewogenheit wird man in dieser Konstellation nicht erwarten dürfen. Ich denke, dies wird eher zu einer Werbeshow der Arbeitgeber und der INSM, bei der die Frankfurter Rundschau stolz als neue Medien-Partnerschaft vorgeführt wird. Zwar versucht Bronski im FR-Blog die Leser zu beschwichtigen, aber ich denke, inzwischen sollte jedem klar sein, dass in der FR ein neuer und arbeitgeberfreundlicher Wind weht.
Über die Kampagne der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) gegen den Mindestlohn haben wir ja bereits berichtet.
Ruhe in Frieden, alte FR!
One Response to “Wie man die FR dem neoliberalen Mainstream gefügig machen könnte”
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