Die INSM und ihr Wikipedia-Eintrag
Mai 18th, 2007 by INSM-Sniper
Dies ist ein Gast-Beitrag der freien Journalistin Brigitte Baetz aus Köln, die bei ihrer Arbeit auch schon Erfahrungen mit den Methoden der INSM machen durfte.
Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia hat keine fest bezahlte Redaktion, sondern lebt von den Einträgen freiwilliger Autoren. Das macht den Reiz dieses Projektes aus, lässt es aber – so Kritiker – auch anfällig für Manipulation werden. So erlebten aufmerksame Nutzer, wie sich der Eintrag zum Thema „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ innerhalb des vergangenen Jahres immer wieder wandelte. „Dieser Artikel macht ja eine erstaunliche Metamorphose durch!“, schrieb ein Leser am 3. September 2005. „Alte Versionen stellten mal eine kritische Betrachtung der Lobbyorganisation und ihrer Ziele dar, aber Stück für Stück hat er sich wie von Zauberhand in das gesäuselte Loblied einer tüchtigen Gruppe von Reformern verwandelt, die nur unser Bestes wollen.“ Erst machte sich ein Autor namens „Sava“ für die INSM stark, dann übernahm „Gurion“ die Federführung, um den Eintrag „neutraler“ zu gestalten. Links zu kritischen Artikeln und Sendungen über die INSM wurden gelöscht, Sätze wie „In den Augen ihrer Kritiker ist sie eine getarnte PR-Agentur eines Arbeitgeberverbandes“ gestrichen. Statt dessen konnte man nun INSM-typische Formulierungen wie „Forcierung angebotsorientierter Wirtschaftspolitik“ lesen. Da auch die Diskussionen zu den einzelnen Artikeln bei Wikipedia eingestellt sind, lässt sich nachvollziehen, wie die Auseinandersetzung zwischen „Gurion“ und allen anderen Autoren in diesem März eskalierte – sowohl in der Sprache als auch im gegenseitigen Löschen einzelner Teilversionen. „Von wem wirst Du bezahlt?“, fragte Nutzer „Queery“ Nutzer „Gurion“, der fast täglich Änderungen im Artikel unterbrachte. Ein veritabler „edit-war“, dem der Administrator dadurch ein Ende setzte, dass er den Artikel erst einmal sperrte. Die Mehrheit der Nutzer hat inzwischen wieder eine Version durchgesetzt, die auch die kritische Diskussion über die INSM enthält – vorerst.
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